„Sie wird eben älter.“

Diesen Satz hören wir bei Katzen sehr häufig. Und natürlich verändert sich eine Katze mit den Jahren: Sie schläft mehr, wird vielleicht ruhiger und verbringt weniger Zeit mit wilden Sprints durch die Wohnung.

Trotzdem steckt hinter manchen vermeintlichen Alterserscheinungen etwas anderes:

chronischer Schmerz.

Gerade Katzen zeigen Schmerzen oft sehr unauffällig. Sie jammern nicht unbedingt, lahmen nicht immer sichtbar und versuchen, Einschränkungen möglichst lange zu kompensieren.

Deshalb lohnt es sich, kleine Veränderungen ernst zu nehmen.

Katzen zeigen Schmerzen anders

Viele Katzenhalter erwarten bei Schmerzen eindeutige Zeichen:

* Jaulen
* deutliches Hinken
* Berührungsempfindlichkeit
* Rückzug
* Futterverweigerung

All das kann vorkommen.

Sehr viel häufiger sind die Veränderungen aber subtiler.

Eine Katze springt nicht mehr auf den Schrank.
Sie nimmt plötzlich einen anderen Weg aufs Sofa.
Sie putzt sich am Rücken schlechter.
Oder sie schläft häufiger an leicht erreichbaren Plätzen.

Solche Veränderungen werden schnell als normale Alterserscheinung eingeordnet.

Dabei können sie auf Schmerzen hinweisen.

Arthrose ist bei älteren Katzen keine Seltenheit

Verschleißbedingte Veränderungen an Gelenken kommen auch bei Katzen häufig vor.

Betroffen sein können zum Beispiel:

* Hüftgelenke
* Knie
* Ellenbogen
* Schultergelenke
* Wirbelsäule
* Gelenke der Gliedmaßen

Das Problem: Katzen sind Meister darin, ihre Bewegungen anzupassen.

Statt deutlich zu lahmen, vermeiden sie einfach bestimmte Belastungen.

Weniger Springen ist ein wichtiges Zeichen

Ein sehr typisches Beispiel ist das Springen.

Vielleicht ist Ihre Katze früher direkt auf die Fensterbank gesprungen und benutzt jetzt erst einen Stuhl als Zwischenstation.

Oder sie springt zwar noch aufs Sofa, aber nicht mehr auf den Kratzbaum.

Auch Veränderungen beim Herunterspringen können auffallen:

* zögerliches Abspringen
* langsames Herunterklettern
* Ausweichen auf niedrigere Ebenen
* Unsicherheit vor dem Sprung

Solche Veränderungen können auf Schmerzen oder eingeschränkte Beweglichkeit hinweisen.

Putzen wird schwieriger

Eine gesunde Katze ist normalerweise sehr beweglich.

Wenn Gelenke oder Wirbelsäule schmerzen, werden bestimmte Körperregionen schlechter erreicht.

Dann kann auffallen:

* struppiges Fell am Rücken
* schlechtere Fellpflege an der Hinterhand
* verfilzte Bereiche
* fettiger wirkendes Fell
* übermäßiges Lecken einzelner Stellen

Auch das Gegenteil ist möglich: Manche Katzen lecken schmerzhafte Bereiche besonders häufig.

Das Katzenklo kann zum Problem werden

Wenn Ein- oder Aussteigen unangenehm wird, kann sich das Verhalten am Katzenklo verändern.

Mögliche Hinweise sind:

* die Katze geht seltener aufs Klo
* sie setzt Kot oder Urin daneben ab
* sie benutzt plötzlich ein anderes Katzenklo
* hohe Einstiege werden gemieden
* sie wirkt beim Kotabsatz unruhig

Nicht jede Unsauberkeit ist natürlich ein orthopädisches Problem.

Aber gerade bei älteren Katzen sollte Schmerz als mögliche Ursache mitgedacht werden.

Auch Verhalten kann sich verändern

Schmerzen beeinflussen nicht nur die Bewegung.

Eine Katze kann plötzlich:

* reizbarer sein
* weniger Berührung mögen
* schneller fauchen
* sich häufiger zurückziehen
* weniger spielen
* weniger Kontakt suchen
* schlechter schlafen
* nachts unruhiger sein

Manchmal wirkt eine ältere Katze dadurch einfach „eigenwilliger“.

Dabei kann chronischer Schmerz ein wichtiger Teil dieser Veränderung sein.

„Sie läuft doch noch ganz normal“

Auch bei Katzen gilt:

Dass ein Tier noch läuft, bedeutet nicht automatisch, dass es schmerzfrei ist.

Chronische Schmerzen führen häufig nicht dazu, dass Bewegung vollständig eingestellt wird.

Die Katze verändert vielmehr die Art, wie sie sich bewegt.

Sie macht weniger.
Sie macht es langsamer.
Oder sie wählt bequemere Wege.

Gerade weil sich diese Veränderungen langsam entwickeln, fallen sie oft erst spät auf.

Gewicht und Muskulatur können Hinweise geben

Auch körperliche Veränderungen können auf chronische Beschwerden hindeuten.

Bei älteren Katzen lohnt sich der Blick auf:

* Körpergewicht
* Muskulatur
* Rückenlinie
* Hinterhand
* Beweglichkeit

Eine Katze, die bestimmte Bereiche weniger belastet, verliert dort mit der Zeit Muskulatur.

Gerade an der Hinterhand kann das auffallen.

Regelmäßiges Wiegen hilft zusätzlich, schleichende Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Videos aus dem Alltag sind hilfreich

In der Praxis zeigen Katzen nicht immer genau das Verhalten, das zu Hause auffällt.

Kurze Videos können deshalb sehr wertvoll sein.

Filmen Sie Ihre Katze zum Beispiel:

* beim Aufstehen
* beim Gehen
* beim Treppensteigen
* beim Springen aufs Sofa
* beim Herunterspringen
* beim Putzen
* beim Einsteigen ins Katzenklo

Solche Alltagssituationen liefern oft wichtige Hinweise.

Alter ist keine Diagnose

Eine ältere Katze darf ruhiger werden.

Aber Schmerzen sollten nicht automatisch als normaler Bestandteil des Alterns akzeptiert werden.

Wenn eine Katze:

* weniger springt
* steifer wirkt
* sich schlechter putzt
* plötzlich unsauber wird
* Berührungen weniger toleriert
* sich deutlich zurückzieht

sollte genauer hingeschaut werden.

Wie wird chronischer Schmerz untersucht?

Am Anfang steht eine gründliche Untersuchung.

Dabei achten wir unter anderem auf:

* Bewegungsabläufe
* Gelenkbeweglichkeit
* Wirbelsäule
* Muskulatur
* Schmerzreaktionen
* Veränderungen der Körperhaltung

Je nach Befund können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel Röntgenaufnahmen oder Blutuntersuchungen.

Gerade bei älteren Katzen ist es wichtig, nicht nur auf den Bewegungsapparat zu schauen, sondern auch mögliche Begleiterkrankungen zu berücksichtigen.

Schmerztherapie ist individuell

Die Behandlung richtet sich immer nach Ursache, Alter und Allgemeinzustand der Katze.

Je nach Patient können dazu gehören:

* Schmerzmedikamente
* Gewichtsmanagement
* Anpassung der Wohnung
* rutschfeste Unterlagen
* niedrigere Einstiege
* zusätzliche Trittstufen
* angepasste Bewegungsmöglichkeiten
* Physiotherapie
* weitere individuelle Maßnahmen

Oft können schon kleine Veränderungen im Alltag einen großen Unterschied machen.

Kleine Hilfen zu Hause

Für ältere oder schmerzhafte Katzen können einfache Anpassungen sehr hilfreich sein.

Zum Beispiel:

* ein niedriger Einstieg ins Katzenklo
* eine kleine Stufe zum Lieblingsplatz
* gut erreichbare Schlafplätze
* Futter und Wasser ohne große Sprünge erreichbar
* rutschfeste Unterlagen
* warme, weiche Liegeplätze

Das Ziel ist nicht, Bewegung vollständig zu vermeiden.

Die Katze soll sich vielmehr möglichst bequem und selbstständig bewegen können.

Nicht nur fragen: „Was macht sie noch?“

Hilfreicher ist die Frage:

„Was macht sie anders als früher?“

Denn gerade bei Katzen liegt der Hinweis auf Schmerzen oft nicht in einem spektakulären Symptom, sondern in kleinen Veränderungen.

Eine Katze, die nicht mehr auf den Schrank springt, ist vielleicht nicht einfach nur vernünftiger geworden.

Eine Katze, die sich weniger putzt, ist vielleicht nicht nur bequem.

Und eine Katze, die Berührungen plötzlich weniger mag, ist vielleicht nicht einfach „grummelig geworden“.

Manchmal ist genau das der Moment, in dem es sich lohnt, genauer hinzusehen.

Tierarztpraxis Welk
Katzenfreundliche Behandlung, individuelle Schmerztherapie und ruhige Untersuchung.

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