Mein Tier trinkt plötzlich viel – wann ist das auffällig?

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Mein Tier trinkt plötzlich viel – wann ist das auffällig?

Der Wassernapf ist plötzlich viel schneller leer, die Katze steht häufiger am Trinkbrunnen oder der Hund muss nachts noch einmal hinaus? Vermehrter Durst kann ganz harmlose Gründe haben – er kann aber auch eines der ersten Zeichen einer Erkrankung sein.

Mehr trinken ist zunächst ein Symptom – keine Diagnose

Wie viel ein Tier trinkt, hängt von vielen Faktoren ab: von Fütterung, Außentemperatur, Bewegung, Körpergröße und natürlich davon, ob überwiegend Nass- oder Trockenfutter gefressen wird.

Deshalb ist nicht jeder besonders durstige Tag gleich ein Grund zur Sorge. Auffällig wird es vor allem dann, wenn Hund oder Katze über mehrere Tage deutlich mehr trinken als sonst oder gleichzeitig häufiger und größere Mengen Urin absetzen.

In der Tiermedizin sprechen wir dann von Polydipsie – vermehrtem Trinken – und Polyurie – vermehrter Urinproduktion. Häufig treten beide Veränderungen gemeinsam auf.

Warum trinken Tiere bei manchen Erkrankungen mehr?

Häufig verliert der Körper über die Nieren mehr Wasser als gewöhnlich. Das Tier trinkt anschließend mehr, um diesen Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Bei anderen Erkrankungen beeinflussen Hormone, Blutzucker oder die Fähigkeit der Niere, den Urin zu konzentrieren, den Wasserhaushalt.

Ganz wichtig: Wasser niemals einfach wegnehmen.

Wenn ein Hund oder eine Katze ungewöhnlich viel trinkt, sollte die Wasseraufnahme nicht eigenmächtig eingeschränkt werden. Das Tier kann die zusätzliche Flüssigkeit benötigen, um seinen Wasserhaushalt auszugleichen.

Welche Ursachen kommen infrage?

Hinter vermehrtem Durst können sehr unterschiedliche Erkrankungen stecken. Zu den häufigeren Ursachen gehören unter anderem:

Nierenerkrankungen

Vor allem chronische Nierenerkrankungen können dazu führen, dass der Urin schlechter konzentriert wird und mehr Flüssigkeit verloren geht.

Diabetes mellitus

Bei erhöhtem Blutzucker gelangt Glukose in den Urin. Dadurch wird zusätzlich Wasser ausgeschieden – häufig trinken und urinieren die Tiere deutlich mehr.

Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen

Besonders bei älteren Katzen können Gewichtsverlust, gesteigerter Appetit, Unruhe sowie vermehrtes Trinken und Urinieren zusammen auftreten.

Cushing-Syndrom beim Hund

Ein Überschuss an Kortisol kann unter anderem zu starkem Durst, vermehrtem Urinieren, Hecheln, gesteigertem Appetit und Muskelabbau führen.

Gebärmuttervereiterung

Bei einer nicht kastrierten Hündin kann vermehrter Durst auch bei einer Pyometra auftreten. Das ist eine ernsthafte Erkrankung, die rasch tierärztlich behandelt werden muss.

Weitere Ursachen

Auch Erkrankungen der Leber, Störungen des Hormonhaushalts, bestimmte Medikamente oder andere systemische Erkrankungen können die Trinkmenge verändern.

Welche Veränderungen sollten zusätzlich auffallen?

Für die Einschätzung ist wichtig, ob neben dem Durst weitere Veränderungen auftreten. Achten Sie beispielsweise auf:

  • Gewichtsverlust trotz normalem oder gesteigertem Appetit
  • deutlich häufigeres Urinieren
  • nächtliche Unruhe oder plötzliches nächtliches Hinausmüssen
  • Unsauberkeit bei einem sonst stubenreinen Tier
  • Appetitverlust
  • Erbrechen oder Durchfall
  • Mattigkeit oder Muskelschwäche
  • auffälliges Hecheln
  • Veränderungen an Fell oder Haut
  • bei nicht kastrierten Hündinnen: Ausfluss oder auffällige Mattigkeit

Wie kann ich zuhause beobachten, ob mein Tier wirklich mehr trinkt?

Wenn Sie unsicher sind, kann ein kleines Trinktagebuch sehr hilfreich sein.

  1. Wassernapf morgens mit einer abgemessenen Menge füllen.
  2. Nach 24 Stunden messen, wie viel Wasser übrig ist.
  3. Neu nachgefülltes Wasser mitrechnen.
  4. Die Messung möglichst über mehrere Tage wiederholen.

Bei mehreren Tieren im Haushalt ist diese Messung natürlich schwieriger. Auch Nassfutter enthält viel Flüssigkeit und beeinflusst die Menge, die sichtbar aus dem Napf aufgenommen wird.

Deshalb ist der Vergleich mit dem bisherigen Verhalten Ihres eigenen Tieres häufig wichtiger als eine einzelne Zahl.

Was untersucht die Tierarztpraxis?

Die Ursachen für vermehrten Durst lassen sich häufig mit einer Kombination aus Vorgeschichte, körperlicher Untersuchung, Blut- und Urinuntersuchung eingrenzen.

Dabei können unter anderem Nierenwerte, Blutzucker, Leberwerte, Elektrolyte und die Konzentrationsfähigkeit des Urins wichtige Hinweise geben.

Je nach Alter, Tierart und Befund können weitere Untersuchungen sinnvoll sein – beispielsweise Schilddrüsenwerte, spezielle Hormontests, Blutdruckmessung oder bildgebende Diagnostik.

Wann sollte ich einen Termin vereinbaren?

Wenn Sie sicher feststellen, dass Ihr Tier über mehrere Tage deutlich mehr trinkt oder uriniert als gewöhnlich, sollte die Ursache abgeklärt werden – auch wenn es ansonsten noch munter wirkt.

Bitte nicht länger abwarten, wenn …

  • Ihr Tier zusätzlich deutlich matt oder schwach ist
  • es erbricht oder nicht mehr frisst
  • es rasch Gewicht verliert
  • eine nicht kastrierte Hündin plötzlich viel trinkt und krank wirkt
  • eine deutliche Verschlechterung innerhalb kurzer Zeit auftritt

Unser Tipp

Veränderungen im Wassernapf sind oft ein wertvoller Hinweis.

Besonders bei älteren Hunden und Katzen lohnt es sich, Trinkverhalten, Gewicht und Urinabsatz im Alltag im Blick zu behalten.

Vermehrter Durst bedeutet nicht automatisch, dass Ihr Tier schwer krank ist. Er sollte aber auch nicht über Wochen einfach als „mehr Durst im Alter“ abgetan werden.

Viele Erkrankungen lassen sich deutlich besser behandeln, wenn sie früh erkannt werden.

Ihr Hund oder Ihre Katze trinkt plötzlich deutlich mehr?

Vereinbaren Sie gerne einen Termin zur Abklärung. Falls möglich, notieren Sie vorher über einige Tage, wie sich Trinkmenge, Urinabsatz, Appetit und Gewicht verändert haben.

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