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Plötzliches Kopfschütteln, Niesen oder Pfotenlecken: Könnte eine Granne dahinterstecken?

Kleine Pflanzenteile können sich in Ohren, Pfoten, Nase oder Augen festsetzen und dort schmerzhafte Entzündungen verursachen.

Tierarztwissen aus dem Praxisalltag Lesezeit: etwa 6 Minuten

Gerade im Sommer sehen wir immer wieder Hunde, die plötzlich heftig den Kopf schütteln, an einer Pfote lecken oder nach dem Spaziergang anhaltend niesen. Dahinter kann eine Granne stecken.

Grannen sind borstige Bestandteile verschiedener Gräser und Getreidearten. Ihre feinen Widerhaken sorgen dafür, dass sie sich leicht im Fell festsetzen. Von dort können sie in Körperöffnungen oder durch die Haut eindringen.

Das Problem: Eine Granne löst sich nicht immer von selbst. Durch Bewegung und ihre gerichteten Widerhaken kann sie tiefer in Gewebe oder Körperhöhlen gelangen und dort Entzündungen, Abszesse und anhaltende Schmerzen verursachen.

Typische Eintrittsstellen

Wo Grannen beim Hund häufig Probleme machen

Ohren

Besonders Hunde mit hängenden oder stark behaarten Ohren können betroffen sein. Eine Granne im Gehörgang verursacht häufig plötzliches, heftiges Kopfschütteln, Kratzen und Schmerzen.

Pfoten und Zwischenzehenräume

Grannen können sich zwischen den Zehen festsetzen und durch die Haut eindringen. Typisch sind intensives Lecken, Rötung, Schwellung, Schmerz oder eine kleine nässende Stelle.

Nase

Wird eine Granne eingeatmet, beginnt der Hund häufig plötzlich und anhaltend zu niesen. Auch einseitiger Nasenausfluss oder Reiben der Nase mit der Pfote sind möglich.

Augen

Grannen können unter die Lider oder hinter die Nickhaut gelangen. Zukneifen des Auges, Tränenfluss, Rötung und plötzliches Reiben sind Warnzeichen.

Maul und Rachen

Beim Schnüffeln oder Spielen können Pflanzenteile in Maul und Rachen geraten. Würgen, Husten, Schluckbeschwerden oder plötzliches Speicheln sollten untersucht werden.

Haut und tieferes Gewebe

Durch kleine Hautverletzungen können Grannen einwandern. Dann entstehen manchmal erst Tage oder Wochen später schmerzhafte Schwellungen, Fistelgänge oder wiederkehrende Abszesse.

Warnzeichen

Bei diesen Symptomen bitte nicht lange abwarten

  • plötzliches, heftiges Kopfschütteln
  • anhaltendes Niesen nach dem Spaziergang
  • einseitiger Nasenausfluss oder Nasenbluten
  • plötzliches Zukneifen oder Reiben eines Auges
  • intensives Lecken an einer einzelnen Pfote
  • Schwellung oder nässende Stelle zwischen den Zehen
  • Würgen, Husten oder Schluckbeschwerden
  • schmerzhafte, wiederkehrende Schwellungen oder Abszesse

Wichtig

Bitte nicht tief im Ohr, Auge oder in einer Wunde suchen

Eine oberflächlich im Fell liegende Granne kann vorsichtig entfernt werden. Sitzt sie jedoch im Gehörgang, unter dem Lid, in der Nase oder bereits in einer Wunde, sollte nicht mit Pinzette, Wattestäbchen oder anderen Gegenständen versucht werden, sie selbst herauszuholen.

Dabei kann die Granne tiefer geschoben, abgebrochen oder empfindliches Gewebe verletzt werden. Häufig ist eine gründliche Untersuchung mit Otoskop, Sedation, Spülung, Bildgebung oder einem kleinen chirurgischen Eingriff notwendig.

In der Praxis

Wie wir bei Verdacht auf eine Granne vorgehen

  1. 1

    Symptome und Zeitpunkt einordnen

    Wann begann das Verhalten? Trat es direkt nach einem Spaziergang auf? Welche Körperstelle ist betroffen?

  2. 2

    Betroffene Stelle gründlich untersuchen

    Je nach Lage werden Ohr, Pfote, Nase, Auge, Maul oder Haut gezielt kontrolliert.

  3. 3

    Granne vollständig entfernen

    Die Granne muss möglichst vollständig geborgen werden. Bei schmerzhaften oder schwer zugänglichen Stellen kann eine Sedation oder Narkose nötig sein.

  4. 4

    Entzündung und Verletzung behandeln

    Je nach Befund können Wundversorgung, Spülung, Schmerztherapie oder weitere Behandlungsschritte erforderlich sein.

Nach dem Spaziergang

So können Sie das Risiko reduzieren

Fell kontrollieren

Suchen Sie besonders Ohren, Achseln, Leisten, Bauch und Rute nach trockenen Pflanzenteilen ab.

Pfoten anschauen

Kontrollieren Sie die Zwischenzehenräume und Ballen, vor allem bei langem oder dichtem Fell.

Fell kurz und übersichtlich halten

Langes Fell zwischen den Zehen und an den Ohren kann Grannen leichter festhalten. Vorsichtiges Kürzen erleichtert die Kontrolle.

Trockene Wiesenränder meiden

In der Grannenzeit sind trockene, hochgewachsene Grasbestände und abgeerntete Feldränder besonders problematisch.

Plötzliche Symptome ernst nehmen

Je früher eine Granne gefunden und entfernt wird, desto geringer ist das Risiko, dass sie tiefer wandert.

Nicht auf sichtbare Schwellung warten

Gerade in Ohr, Nase oder Auge können starke Beschwerden entstehen, bevor von außen etwas zu erkennen ist.

Unser Fazit

Kleine Ursache – manchmal große Wirkung

Eine Granne ist nicht immer ein Notfall. Plötzliches heftiges Kopfschütteln, anhaltendes Niesen, ein schmerzhaftes Auge oder intensives Pfotenlecken sollten jedoch zeitnah untersucht werden.

Je früher der Fremdkörper gefunden wird, desto einfacher und schonender lässt er sich in der Regel entfernen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

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